Arbeitszeitflexibilisierung – Weg von pauschalen hin zu individuellen Lösungen

Mit dem sogenannten Plan A hat Österreichs Bundeskanzler Kern die Flexibilisierung der Arbeit einmal mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Im Jänner dieses Jahres wurde das Thema nun auch ins neu präsentierte Regierungsprogramm aufgenommen. Bisher konnte keine Einigung in Bezug auf eine Neugestaltung der gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit erzielt werden. Aufgrund sich ändernder gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen wäre das aber dringend notwendig. Ein Umdenken von pauschalen hin zu individuellen Lösungen ist dafür ausschlaggebend.

Mit dem sogenannten Plan A hat Österreichs Bundeskanzler Kern die Flexibilisierung der Arbeit einmal mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Im Jänner dieses Jahres wurde das Thema nun auch ins neu präsentierte Regierungsprogramm aufgenommen. Bisher konnte keine Einigung in Bezug auf eine Neugestaltung der gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit erzielt werden. Aufgrund sich ändernder gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen wäre das aber dringend notwendig. Ein Umdenken von pauschalen hin zu individuellen Lösungen ist dafür ausschlaggebend.

 

Die Ausgangslage in Österreich

Die derzeitige Rechtslage in Österreich betreffend die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit sowie in Bezug auf Pausen- und Ruhezeiten umfasst strenge Regeln, unter anderem:

  1. Maximale tägliche Arbeitszeit von grundsätzlich 10 Stunden (Ausnahmen unter anderem für Schichtarbeit, Arbeitsbereitschaft oder passive Reisezeit)
  2. Maximale wöchentliche Arbeitszeit von 50 Stunden (Ausnahmen siehe 1.)
  3. Verpflichtend 30 Minuten Pause nach 6 Stunden Arbeitszeit
  4. Gesetzliche Vorgabe von 11 Stunden Ruhezeit zwischen 2 Arbeitstagen (Ausnahmen beispielsweise bei passiver Reisezeit möglich)

Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit ist also nach momentanem Rechtsstand nur eingeschränkt innerhalb dieses gesetzlichen Rahmens möglich. Das zu ändern ist umso schwieriger, da in der Debatte um Veränderungen der Arbeitszeit viele Forderungen aufeinanderprallen.
 

 

Flexible Arbeitszeit, was heißt das eigentlich?

Die aktuelle Diskussion zum Thema Flexibilisierung der Arbeitszeit in Österreich dreht sich vor allem um die Ausweitung der täglichen maximalen Arbeitszeit. Arbeitnehmer sollen somit beispielsweise an vier Tagen länger arbeiten können, um im Gegenzug einen Tag mehr pro Woche frei zu haben. Unternehmer sehen in der Ausweitung der täglichen Maximalarbeitszeit den Vorteil, dass Mitarbeiter bei anfallender Mehrarbeit – zum Beispiel aufgrund größerer Nachfrage und besserer Auftragslage – länger arbeiten können.

Flexibilität in Bezug auf die Arbeitszeit hat aber natürlich viele Formen. Die oft üblichen Arbeitszeiten zwischen 8 und 17 Uhr können zum Beispiel auch einfach anders auf den Tag verteilt werden. Gerade Arbeitnehmer, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen wollen, wünschen sich Modelle, die eine individuelle Arbeitszeiteinteilung ermöglichen. Verschiedene Gleitzeitmodelle sind diesbezüglich Schritte in Richtung Arbeitszeitflexibilisierung, die bereits jetzt realisiert werden.

Einen tieferen Einblick in Lösungen zur Arbeitszeitflexibilisierung, die im Rahmen der bestehenden Gesetzeslage bereits umgesetzt werden, erhalten Sie in unserem Artikel Flexibles Arbeiten: ein Überblick.

 

Verhärtete Fronten verhindern ein Weiterkommen

Bisher ist eine gesetzliche Änderung in Bezug auf flexiblere Arbeitszeit auf politischer Ebene gescheitert. Die Interessen waren und sind zu unterschiedlich. Die politischen Parteien sind sich ebenso uneins wie die Interessenvertreter von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Die Forderungen sind unterschiedlich, aber aufgrund sich ändernder Rahmenbedingungen gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Natur gibt es sie bereits seit Jahren – von allen Seiten. Den Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber in erster Linie also gemeinsam. Dennoch konnte bisher so gut wie keine Einigung erzielt werden.

O-Töne aus Wirtschaft und Politik

KTM-Manager Pierer sieht starre Gesetze als Hemmschuh, differenziert beim Thema Ausweitung der maximalen Arbeitszeit aber klar zwischen Produktion und Angestellten in den Bereichen Entwicklung, Vertrieb, Marketing etc.

AK-Präsident Kalliauer sieht eine Ausweitung der Tagesarbeitszeit kritisch: Flexibilität werde immer nur in Richtung Verlängerung gedacht.

 

Es gibt kein schwarz/weiß – die Anforderungen sind unterschiedlich

Beim Thema Arbeitszeitflexibilisierung gibt es viele unterschiedliche Faktoren zu berücksichtigen – simples schwarz/weiß Denken ist hier fehl am Platz.

Je nach Branche und Tätigkeitsfeld gibt es unterschiedliche Arbeitsbedingungen und dementsprechend auch unterschiedliche Anforderungen in Bezug auf flexiblere Arbeitszeit. Aber auch innerhalb eines Unternehmens kann je nach Unternehmensbereich oder -abteilung die Zielsetzung in punkto Arbeitszeitflexibilisierung eine andere sein.

In bestimmten Bereichen gibt es gute Gründe an gewissen Grenzen festzuhalten. Für Produktionsmitarbeiter zum Beispiel, die täglich anstrengende körperliche Arbeit leisten, spricht vieles gegen einen 12-Stunden-Tag.

Die meisten Arbeitnehmer mit Bürotätigkeit wünschen sich aber mehr Flexibilität um Beruf und Familie leichter vereinbaren zu können. Starre Regeln in Bezug auf die maximale Arbeitszeit sind hier allzu oft ein unnötiges Hindernis.

 

Pauschale Regelungen sind nicht mehr zeitgemäß

Fest steht: Flexible Arbeitszeiten werden von allen Seiten gefordert, wenn auch aus unterschiedlichen Interessen. Eine Änderung der derzeitigen Gesetzeslage in Österreich ist daher unumgänglich. Fest steht auch: Wenn unterschiedliche Anforderungen gegeben sind, müssen diese berücksichtigt werden. Pauschale Regelungen werden den geänderten Rahmenbedingungen nicht mehr gerecht. Eine differenzierte Betrachtung und individuelle Lösungsmöglichkeiten sind also angesichts unterschiedlicher Voraussetzungen in jedem Fall notwendig.

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